Mindestlöhne

Der Mindestlohn ist der Lohn, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern für ihre Arbeit zumindest bezahlt werden muss. Es darf also mehr als der Mindestlohn bezahlt werden, aber nicht weniger. Einen gesetzlichen Mindestlohn gibt es in Österreich nicht (die „Mindestsicherung“ hat übrigens nichts mit einem Mindestlohn zu tun, sondern ist eine Sozialleistung, also eine Geldleistung vom Staat, das wird manchmal verwechselt). Stattdessen sind Untergrenzen für Löhne in Österreich in Kollektivverträgen geregelt: Kollektivverträge gibt es für verschiedene Branchen (eine Branche umfasst alle Unternehmen, die etwas Ähnliches herstellen oder anbieten, z.B. alle Bauunternehmen).


Die Kollektivverträge werden in der Regel einmal im Jahr zwischen Gewerkschaft und Wirtschaftskammer neu verhandelt und enthalten (nebst anderem) Mindestregelungen für Löhne, das heißt, es dürfen höhere Löhne bezahlt werden als im Kollektivvertrag stehen, aber nicht niedrigere. Die Kollektivvertragslöhne sind also „Verhandlungssache“ und stehen in keinem Gesetz. In Österreich sind – je nach Auslegung – bis zu 95% aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von einem Kollektivvertrag und damit von einem kollektivvertraglichen Mindestlohn erfasst. In Bereichen, die von keinem Kollektivvertrag erfasst sind, gibt es teilweise sogenannte Mindestlohntarife, die vom Bundeseinigungsamt festgelegt werden. Das Bundeseinigungsamt ist eine Behörde im Sozialministerium, dem auch VertreterInnen der Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer angehören. Gibt es in einer Branche weder Kollektivvertrag noch Mindestlohntarif, so steht der für den Beruf angemessene Lohn zu. Diesen festzustellen ist aber in der Praxis oft sehr schwer.

Vor- und Nachteile einer gesetzlichen Regelung


BefürworterInnen eines gesetzlichen Mindestlohns argumentieren, dass er für alle Branchen gelten würde und somit alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer davon erfasst wären. Seitens der ArbeitnehmerInnenvertretung wird jedoch darauf verwiesen, dass ein einheitlicher Mindestlohn in Branchen mit derzeit höheren kollektivvertraglichen Löhnen dort zum Sinken der Mindestlöhne führen würde. Ein genereller Mindestlohn würde auf politischer Ebene festgelegt werden, wodurch er von den jeweiligen politischen Mehrheiten abhängig wäre. Zudem werden derzeit in den Kollektivverträgen nicht nur Mindestlohnniveaus, sondern auch die Erhöhung aller anderen, in der jeweiligen Branche geltenden, Löhne festgelegt. Durch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes bestünde die Gefahr, dass Vieles davon auf betrieblicher oder persönlicher Ebene ausgehandelt werden müsste – zum Schaden der Beschäftigten, die in aller Regel weit weniger Verhandlungsmacht besitzen als die Gewerkschaft.

Bei deiner zuständigen Gewerkschaft kannst du dich informieren, welcher Kollektivvertragslohn für deine Branche gilt.


Siehe auch


Lohn - Gehalt
Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen
Betriebsrat
Arbeiterkammern


Quellen:

Hermann, Christoph: Mindestlöhne in Österreich, in: FORBA Schriftenreihe 4/2005 (11.12.2013)
AK- Portal zu Kollektivverträgen (11.12.2013)
Übersicht der Mindestlohntarife (11.12.2013)
Bundeseinigungsamt (11.12.2013)


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Seite zuletzt geändert: am Mittwoch, 11. Dezember 2013 10:53:21 von CM.