Forum: Erfahrungen in der Arbeitswelt

Ich bin Jugendvertrauensrätin


Tamara Punz, Jugendvertrauensrätin

Ich arbeite bei der Firma Mediaprint und bin seit knapp 2 Jahren Jugendvertrauensrätin (JVR). Der Anfang war ziemlich schwer, da die vorigen JugendvertrauensrätInnen nicht sehr engagiert waren und ich daher von Null an beginnen musste. Das wichtigste für mich war, zuerst Vertrauen zu meinem Betriebsratsvorsitzenden aufzubauen, damit ich bei schwierigen Themen, die ich durchsetzen möchte und nicht alleine bewältigen kann, genügend Unterstützung habe und auch viel Erfahrung von den Erwachsenen sammeln kann. Da dies kein Problem war, wurde ich auch zu den Betriebsratsitzungen eingeladen. Quartalsmäßig veranstaltet die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP) Meetings für alle JVR’s aus den verschiedensten Firmen, wo ich natürlich auch immer dabei bin. Bei diesen Sitzungen werden wichtige und aktuelle Themen besprochen, aber auch Erfahrungen ausgetauscht.

Es gab sogar 3-tägige Seminare die die GPA-DJP uns angeboten hat. Beim ersten Seminar ging es größten Teils um Rechte und Pflichten und beim zweiten um Verhandlungsmethoden. In diesen 3 Tagen sammelten wir viele Informationen, lernten neue JVR’s kennen und hatten natürlich auch viel Spaß.

Pro Halbjahr muss ich im Betrieb eine Jugendversammlung halten. Hierbei geht es darum die Lehrlinge über wichtige Themen zu informieren, aber auch Probleme oder Wünsche zu besprechen. Manchmal ist es echt schwer in einem Saal voller Jugendlicher einen Vortrag zu halten, weil die meisten nicht sehr begeistert davon sind. Es ist auch nicht leicht, von den Lehrlingen respektiert zu werden oder sich durchzusetzen.

Ich versuche die Jugendlichen öfters in meine Vorträge einzubauen z.B. mit Rollenspielen, damit die Runde etwas aufgelockert wird. Es gab auch eine Zeit, in der große Schwierigkeiten für Lehrlinge auftraten. Es wurden viele Verwarnungen ausgesprochen und sogar ein Lehrling gekündigt. Mich ärgert es heute noch, dass ich erst vom Lehrling informiert wurde, somit nicht mehr helfen konnte und auch nicht wusste was der Grund für die Kündigung war. Das ließ ich nicht auf mir sitzen und forderte ab jetzt bei einer Kündigung oder Verwarnung informiert zu werden. Da der Jugendsporttag meistens für uns ausfiel, wollte ich auch hier etwas ändern.

Mein Vorschlag, den ich auch durchsetzen konnte, war ein “Beobachtungszeitraum“. Hiermit wollte ich bewirken, dass nicht alle auf den Sporttag verzichten müssen, sondern nur jene Lehrlinge, die eine Verwarnung bekommen. Als nächstes habe ich geplant, einen Stellvertreter zu finden und die Lehrzeit noch besser zu gestalten. Genug Wünsche sind ja vorhanden.


Ich finde es wichtig, dass Betriebe in Österreich einen Jugendvertrauensrat haben, weil man die Jugendlichen vor der Ausbeutung und unvorgesehen Entlassung schützen und informieren soll und sie natürlich auch über Pflichten aufklären soll bzw. Jugendlichen mit Rat zur Seite zu stehen soll.


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