Die Österreichische Verfassung

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Artikel 7 (Laizismus)


7. Laizismus!?


PRO
  1. Man bietet keiner Glaubensrichtung sich in Staatsangelegenheiten einzumischen. (Man minimiert die Gefahr)
  2. Die Geschichte hat gezeigt, dass Religion immer wieder versucht, in das Staatsgeschehen einzugreifen.

CONTRA
  1. Gottesbezug existiert nicht, wenn er nicht in der Verfassung steht. (Edin)
  2. Sind Religion und das Interesse des Staates vereinbar?


Hm, ich bin wahrscheinlich eher dafür, dass wir in der Verfassung festhalten, dass wir ein laizistischer Staat sind. Wir sollten es einfach in einem kurzem Satz erwähnen, á la französische Verfassung.
Religion sollte auschließlich Privatangelegenheit sein (was nicht bedeutet, dass man sie nicht öffentlich ausleben darf, im Gegenteil).

Österreich ist zwar kein Gottesstaat und momentan sitzen keine Kardinäle in politischen Ämtern soweit ich weiß, aber es ist nicht verboten - sollte es, meiner Meinung aber sein. Als Staatsbediensteter sollte mein Interesse alleine dem Staat Österreich und seinen Einwohnern gelten. Bin ich aber gleichzeitig Priester, herrscht ein klarer Interessenskonflikt, weil ich eigentlich im Interesse der Kirche und Gläubigen zu handeln habe...
Auch wenn ich momentan in Österreich nicht eine große Gefahr erkennen kann, möglich ist's, dass morgen Kardinal Schönborn für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert.

Es gibt in einer funktionierenden Demokratie aus gutem Grunde eine klare Gewaltenteilung. Ich bin absolut der Meinung dass die Religion als 4. Gewalt miteinbezogen gehört.

In diesem Sinne: Ich bin für eine Verankerung in der Verfassung als extra Artikel, rein aus präventiven Gründen - schließlich haben wir ja auch stehen dass Österreich sich zu den Menschenrechten bekennt - und Verstöße gegen diese sind eigentlich nicht an der Tagesordnung. Trotzdem haben wir sie, als präventiven Schutz und zur grundlegenden Konstitution des Staates in unsere Fassung miteinbezogen!

mfg,
g.


Ich bin absolut gegen Laizismus als Grundsatz in der österreichischen Verfassung.
Es mag sein, dass Religion in der Geschichte für viele Probleme verursacht haben,
aber sie haben auch viel Gutes beigetragen und hat einen Anteil daran, dass es
Menschen gut geht. Würde man Menschen religiöser Überzeugung nicht erlauben sich politisch
zu engagieren, würde man ihre Meinungsfreiheit unterdrücken.
Außerdem sind die Staaten die laizistisch sind nicht von Problemen befreit. .Für mich würde sich die Frage stellen inwieweit, dass demokratisch ist, Menschen aufgrund ihres sichtbaren
Religionsbekenntnisses vom politischen Diskurs auszuschließen. Demokratie lebt von
Vielfalt der Religionen, der Meinungen. Warum sollte man die Meinung von Menschen religiöser
Herkunft nicht zulassen? Was ist daran demokratisch? Ich finde das eher unfair und undemokratisch.
Und alle Beispiele zeigen, dass es nicht klappt. Frankreich und Türkei scheitern kläglich im Umgang mit
Minderheiten. Weder in der Theorie kann ich Laizismus nachvollziehen noch ist es in der Praxis nachvollziehbar.
Wir müssen hier stark differenzieren: Kirche und Staat sind getrennt (säkular), aber Religiösitat einer jeden Person auch PolitkerInnen ist Privatsache(Religionsfreiheit).


Du hast das Prinzip Laizismus missverstanden! Laizismus heißt NICHT, dass es jemand auf Grund seines sichtbaren Religiongsbekenntnis verboten ist, sich politisch zu engagieren. Laizismus trennt Religion und Staat insofern, als dass es zB Bischöfen verbietet, Bundespräsident zu werden. Und das, nur das meint Laizismus. In Frankreich dürfen nicht nur Agnostiker oder Atheisten in die Politik gehen, das wäre ja schlimm!
Das Ganze baut darauf auf, dass es zu Interessenskonflikten kommen kann. In jeder simplen Sparte des Berufslebens unterschreibst Du heute, dass Du nicht gleichzeitig für ein Konkurrenzunternehmen arbeiten darfst (oft auch, dass Du es auch 6 Monate nachher nicht darfst) - das folgt dem selben Prinzip. Wenn jemand als höchstes Ziel hat Gott zu dienen, schön und gut, aber ein Poltiker sollte dem Gemeinwohl dienen. Das sind nun Mal zwei unterschiedliche Dinge, und die können zu einem Konflikt führen. KÖNNEN, nicht müssen. Da aber die prinzipielle Gefahr besteht, dass die zwei Ziele sich einander im Weg stehen: Rein mit dem Laizismus in die Verfassung!!

Und noch was: Laizismus sagt eben genau das was du möchtest: Religion ist Privatsache - nur mit dem Nachsatz "und nur Privatsache".

Ich hoffe Du kannst den Laizismus jetzt zumindest in der Theorie nachvollziehen ;-)

Noch ein kleiner Sidekick: Der Umgang Frankreichs und der Türkei mit ihren Minderheiten hat nichts mit dem Prinzip Laizismus zu tun, sondern hat andere Gründe...

mfg,
g.


Ich bin eigentlich auch eher dafür, jedoch stellt sich die Situation in Österreich meiner Meinung nach sehr kompliziert dar. Wenn wir den Laizismus wirklich wollen, sollten wir uns überlegen wer die Aufgaben übernehmen soll, die momentan von Organisationen wie z. B. der Caritas erledigt werden. Ich finde, man kann nicht auf der einen Seite von dieser römisch-katholischen Hilfsorganisation verlangen, dass sie wichtige sozialstaatliche Aufgaben erfüllt und gleichzeitig sagen, Religion und Staat sind völlig getrennt. Hmm, schwierig. So richtig positionieren kann ich mich (noch) nicht...


Ich seh da keinen Widerspruch. Hilfsorganisationen wie die von Dir angesprochene Caritas sind ja gegründet worden (und existieren heute noch) weil sie dort helfen möchten wo der Staat eben nicht hilft/helfen kann; sozusagen denen die auf staatliche Hilfe nicht zurückgreifen können!
Wenn ein Staat sagt er hat nix mit Religion am Hut, heißt das nicht, dass er alle Religionen verbietet, und wenn z.B. die röm.-kath. Kirche nun meint es ist ihr wichtig dass die Caritas hilft, wird kein noch so überzeugter Laizist dagegen sein.

Auch dass ein laizistischer Staat der Caritas (um beim Beispiel zu bleiben) Förderungen zukommen lässt ist kein Problem. Ein laizistischer Staat kann ja sehr wohl anerkennen dass religiös motivierte Organisationen in der Gesellschaft Gutes tun und dies fördern.

Problematisch wirds erst dann wenn z.B. der Chef von der Caritas auch zugleich Priester ist (was ohnehin nicht der Fall ist) und nun für die kommende Nationalratswahl kandidieren möchte...
-> Also eine Vermischung von Religion und Staatsämtern/Staatsinteressen eintreten würde. Mehr sagt der Laizismus nicht!

mfg,
g.